St. Martin

Wappen TV-Cochem

Der St. Martinzug ist seit vielen Jahren ein fester und besonders stimmungsvoller Bestandteil unseres Vereinslebens beim TV Cochem. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Tradition und gelebtes Brauchtum, sondern vor allem das gemeinsame Erleben für unsere Kinder und Familien. Mit leuchtenden Laternen, fröhlichem Gesang und vielen strahlenden Augen wird jedes Jahr aufs Neue sichtbar, wie lebendig und verbindend diese Tradition in unserem Verein ist. Ein besonderer Höhepunkt ist die Darstellung des heiligen St. Martin, der hoch zu Ross die Geschichte des Teilens und der Nächstenliebe eindrucksvoll vermittelt. Mit viel Engagement und Liebe zum Detail wird diese Szene zu einem unvergesslichen Erlebnis für Groß und Klein. Sie bringt den Kindern auf anschauliche Weise Werte näher, die weit über diesen Tag hinaus von Bedeutung sind. Der St. Martinstag ist somit nicht nur ein festlicher Umzug mit Laternen, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Miteinander in unserem Verein. Er stärkt die Gemeinschaft, schafft schöne Erinnerungen und hilft dabei, bewährte Traditionen an die nächste Generation weiterzugeben.

INTERVIEW: Der Turnverein und St. Martin

Wenn der Herbst im Moseltal...
Am 10. November jeden Jahres, dem Vorabend des Martinstages,
ziehen durch unsere Heimatstadt St. Martin hoch zu Ross nebst
Musikvereinen und den eigentlichen Hauptdarstellern des
Abends, den Kindern, welche mit ihren Laternen den dunklen
Abendhimmel erleuchten. Seit vielen Jahrzehnten organisiert der
Turnverein diese schöne Tradition: Es werden Spenden gesammelt,
um die Kapellen und die Martinsbrezeln zu finanzieren und als
Darsteller unseres Schutzpatrons konnte in der Vergangenheit zu-
meist ein Mitglied aus unserem Verein gewonnen werden.
Herbert Hilken, bis vor kurzem Stadtbürgermeister und nun Alt-
bürgermeister seiner Heimatstadt schildert seine persönlichen Er-
lebnisse rund um den Martinszug.

TVC: Herbert, was sind deine frühen Erinnerungen an den
Martinsabend?

HH: Mir fallen da zunächst die Prämierungen der schönsten
Laternen ein, bei denen ich als Kind zugegen war und gespannt auf
einen Preis hoffte. Damals gehörten der Jury meines Wissens Paul
Kleinen, der damalige Erste Vorsitzende des Turnvereins, Paul Kne-
vels und auch schon Carlfritz Nicolay an. Letzterer hat ja bekannt-
lich bis in die späten 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die
Prämierung und anschließende sogenannte „Verbrezellung“ geleitet.
Beim Basteln ging mir immer mein Vater zur Hand; er hatte in
solchen Dingen ein geschicktes Händchen. Allerdings tat er das so
gründlich, dass mein Eigenanteil letztendlich verschwindend ge-
ring war oder - anders formuliert - von mir nichts mehr versaut
werden konnte. Der kompetenten Jury konnte diese Schützenhil-
fe nicht verborgen bleiben.
So bastelte mir mein Vater einmal eine Laterne in Gestalt unseres
Martinsbrunnens auf dem Marktplatz und auch dieses Meister-
werk konnte nicht vom kleinen „Herbertsche von der Owwerjass“
stammen.
So ging ich wieder einmal leer aus, ob die Enttäuschung darüber
bei mir oder beim eigentlichen Schöpfer größer war, mag an die-
ser Stelle offen bleiben.

TVC: Jahre später durftest du dann selbst den heiligen Martin ver-
körpern und die Cochemer Gässchen einmal aus einer erhöhten
Position also einer für dich ungewohnten Perspektive betrachten.
Im Karneval bist du ja schon in unzählige Kostüme geschlüpft, wie
war diese Rolle für dich?

HH: Dieser Martinszug war für mich natürlich ein besonderes Er-
lebnis wie gewiss für jeden Darsteller. Ich war schon als Kind in
den 50er Jahren dem Turnverein beigetreten und traf mich später
regelmäßig auf der Conder Höhe zum „Lauftreff“ des Turnvereins.
Als ich dann 1972 gebeten wurde, für den Turnverein „dä Meer-
des“ zu machen, habe ich das als besondere Ehre und tolle Auf-
gabe empfunden.
Die Cochemer Kinder sangen an diesem Abend alle Lieder mit
voller Inbrunst und ich vermute, dass der religiöse Hintergrund
und die Botschaft der Nächstenliebe damals den Kindern und
Eltern bewusster war. Schließlich war die gesamte Gesellschaft
noch von größerer Religiösität geprägt und die kirchlichen Feier-
tage, die Namenstage und das Patronatsfest wurden dementspre-
chend ehrwürdig begangen. Jedenfalls ging vom damaligen Mar-
tinszug vor diesem Hintergrund vielleicht noch eine feierlichere
Atmosphäre als heutzutage aus.

Wie dem auch sei – dieser Abend war für mich damals ein echtes
Highlight und ich wünsche, dass dies auch heute noch die Mar-
tinsdarsteller und vor allem die mitlaufenden Kinder mit ihren
Eltern und Großeltern so empfinden.

TVC: Die meisten Umzüge hast du aber natürlich als Zuschauer
erlebt. Fallen dir diesbezüglich einige skurrile und komische Ereig-
nisse ein?

HH: Hierzu fallen mir zwei Anekdoten ein:
In den fünfziger Jahren hatten wir Cochemer mehrmals hinter-
einander ein und denselben „Meerdes“, der seine Sache auch
immer sehr gut machte. Nur in einem Jahr muss er vielleicht im
Vorfeld eine Meinungsverschiedenheit mit dem Pferdewirt, das
war der Herr Berns von der „Behrense-Müll‘“, gehabt haben.
Jedenfalls zog dieser an diesem Abend wohl das Sattelgeschirr
nicht stramm genug um den Leib des Pferdes und so geschah es,
dass sich der Sattelgurt im Zugverlauf lockerte. Vielleicht hatte
das Pferd zu Beginn des Abends auch einen Blähbauch gehabt,
sich im Laufe des Abends Luft verschafft und dadurch seinen Lei-
besumfang geschmälert.
„Batt schiss“ - es kam wie es kommen musste: Auf Höhe der
Weinstube Schneider, also beim „Ellis Marie“ in der Oberbach-
straße, verlor der Gurt seinen strammen Halt, der „Meerdes“ verlor zunächst sein Gleichgewicht und anschließend seine würde-
volle Haltung; kurzum - er rutschte mitsamt Sattel in Zeitlupe
seitlich vom Pferd und unaufhaltsam zu Boden.
Und wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott
nicht zu sorgen. Die Spiritualgruppe, in der Fassenacht auch be-
kannt als die „Cochemer Moartschreia“ verewigten diese unfrei-
willige halbe Eskimorolle mit den Versen: „So fiel vom hohen Ros-
se, der Meerdes in die Gosse.“

TVC: Und wer war der Lieferant der zweiten Anekdote?

HH: So leid es mir tut, aber es war ein und dieselbe Person, unser
gefallener Reitersmann. Diesmal trug sich die Begebenheit jedoch
nicht während des Martinszuges zu, sondern im Festzelt auf dem
Endertplatz. Dorthin hatte der Turnverein 1962 anlässlich seines
hundertjährigen Jubiläums zum großen Festkommers geladen.
Unser Martin wollte sich nicht lumpen lassen und ließ zu diesem
Anlass eine riesengroße Ehrenbrezel anfertigen. Die wollte er an
diesem Abend dem Vorsitzenden Paul Kleinen feierlich überrei-
chen oder - besser gesagt - ihm quasi als Zuckergussmedaille um
den Hals hängen. Nur nutzte er dazu nicht die eigens angebrachte
Stoffschlaufe, sondern versuchte stattdessen, eine der gebacke-
nen Brezelschlaufen über den „Kleinen-Kopf“ zu stülpen. Mehr-
mals bekam auf diese Weise der Vorsitzende einen „verbrezelt“,
doch die Brezel wollte partout nicht dem Willen des Schenkenden
gehorchen. Diese misslungene Verleihung dürfte als süßeste Eh-
renbekundung in die Annalen unserer Heimatstadt eingegangen
sein.

TVC: Apropos Ehrenbekundung und Jubiläum: Was möchtest du
dem Turnverein zu seinem diesjährigen Jubiläum mit auf den
sportlichen Weg geben?

HH: Nun, ich werde wohl darauf verzichten, den beiden Vorsit-
zenden eine Brezel umzuhängen. Aber ich wünsche dem Turnverein natürlich für die Zukunft weiterhin ein erfolgreiches Wirken
mit und für die Bevölkerung, vor allem der jungen Bevölkerung
und hoffe, dass der Turnverein auch künftig nicht nur sportlich,
sondern auch bei der Pflege des Brauchtums wie dem Cochemer
Martinzug so aktiv und agil wie bisher agiert.

St. Martinsumzug 2024

St.Martin
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Die St.-Martin-Darsteller des Turnvereins:

(ab 1996 im jährlichen Wechsel mit anderen Vereinen)

1946: Theo Schenk
1947: Franz Bürschgens
1948: Paul Brustkern
1949: Josef Tries
1950: Josef Hammes
1951: Hans-Werner Fritsch
1952: Hans-Werner Fritsch
1953: Carlfritz Nicolay
1954: Hans Gelhausen
1955: Hans Gelhausen
1956: Leo Fritsch
1957: Leo Fritsch
1958: Hans-W. Fritsch
1959: Hans-W. Fritsch
1960: Josef Fritsch
1961: Josef Fritsch
1962: Ernst König
1963: Hans Rath
1964: Eugen Bauer
1965: Helmut Molitor
1966: Reinhold Loosem
1967: Franz-Josef Berenz
1968: Heinrich Hensen
1969: Lothar Scherl
1970: Anton Ertz
1971: Theo Zenz
1972: Herbert Hilken
1973: Karl-Heinz Hamm
1974: Karl-Heinz Hamm
1975: Paul Nicolay
1976: Klaus Zucchet
1977: Elmar Fischer
1978: Klaus-Peter Nicolay
1979: Rolf Spaniol
1980: Willy Müller
1981: Ernst-Dieter König
1982: Winfried Thielke
1983: Anton Brand
1984: Norbert König
1985: Josef Reuter
1986: Hans-Peter Tries
1987: Paul Nicolay
1988: Stefan Maringer
1989: Udo Stark

 

1990: Wilfried Gerdes
1991: Dieter Angst
1992: Michael Brand
1993: Rudolf Laux
1994: Stephan Hilken
1995: Steffen Heidorn
1996: Jörg Wronka (Bürgerwehr)
1997: Günter Hammes (Feuerwehr)
1998: Herm.-Josef Stein (Rotes Kreuz)
1999: Heinz Bremm (Musikverein)
2000: Dieter Angst
2001: Volker Hees (Bürgerwehr)
2002: Thomas Fischer (Feuerwehr)
2003: Thomas Heimes (Rotes Kreuz)
2004: Christoph Schopphoven (Musikverein)
2005 Frank Häuser
2006: Michael Meyer (Bürgerwehr)
2007: Ulrich Hammes (Feuerwehr)
2008: Michael Meyer
2009: Christian Mohr (Rotes Kreuz)
2010: Ralf Heigwer (Bürgerwehr)
2011: Werner Schneiders (Feuerwehr)
2012: Thomas Rings
2013: Christoph Schopphoven (Musikverein)
2014: Klaus Huntscha (DRK)
2015: Florian Gräfen (Bürgerwehr)
2016: Konrad Jahn (FW)
2017: Michael Etzkorn (DRK)
2018: Sebastian Müller (TV)
2019: Alois Flock (Musikverein)
2020: ausgefallen wg Corona
2021: Florian Gräfen (Bürgerwehr)
2022: Gregor Fuhrmann (DRK) (zu Fuß)
2023: Michael Etzkorn (DRK) (zu Fuß)
2024: Gregor Fuhrmann (für TV Cochem)
2025: Gregor Fuhrmann für Musikverein)